Wer sich eine E-Gitarre selbst bauen will, der stößt früher oder später auf das Thema Oberflächenbehandlung. Im ersten Moment hört sich das Ganze nicht so dramatisch an. Doch wer etwas tiefer in die Thematik einsteigt, verliert schnell den Überblick.
Mit diesem Artikel wollen wir dir einen funktionierenden Arbeitsablauf fürs Lackieren einer E-Gitarre mit anschließendem Hochglanzpolieren zeigen. Wem der Lackieraufwand zu hoch ist, der kann seine Gitarre ölen und wachsen. Dadurch erhält das Holz auch einen gewissen Schutz und bleibt sogar in seiner natürlichen Optik. Dennoch ist vor allem für den Korpus eine Lackierung sinnvoll, um diesen vor Beschädigungen und Witterung zu schützen.
Vorbereitung der E-Gitarre
Zu Beginn muss festgelegt werden, welche Flächen später lackiert werden sollen. Wir beschränken uns in diesem Beispiel auf den Korpus, da sich geölte Hälse besser greifen lassen. Die Arbeitsschritte sind trotzdem für den Hals übertragbar.
Alle zu lackierenden Flächen müssen vor dem ersten Füllergang geschliffen werden. Wir beginnen mit Körnung 120, um Fräsriefen herauszuschleifen und arbeiten uns dann mit 180er Schleifpapier schrittweise hoch. Körnung 80 sollte man komplett vermeiden, da die Schleifriefen vor allem im Hirnholz nur ganz schwer wieder wegzubekommen sind. Wir gehen zum Schluss noch mit einem 240er Schleifpad über die Flächen, um so gut wie es geht alle Schleifriefen zu entfernen.
Als nächstes müssen alle Flächen, die keine Lackbeschichtung bekommen, abgeklebt werden. Dazu zählen Bohrungen und Taschen. Wer Body und Hals noch nicht verleimt hat oder die beiden Teile verschrauben will, hat hier auch einen deutlich geringeren Aufwand. Für scharfe Lackkanten gibt es spezielle Tapes, sogenannte Fine-Line-Tapes. Große Flächen können auch mit einem Müllsack oder Zeitungsresten abgedeckt werden.
Vor dem Lackieren muss auch noch die Befestigung der Gitarre geklärt werden. Wir haben uns eine vielseitig einsetzbare Gitarrenhalterung gebaut. Alternativ dazu kann man in der späteren Gurthalterbohrung einen Haken eindrehen und die Gitarren dann mit einem Seil daran aufhängen. Dabei besteht nur die Gefahr, dass sich Lacknasen am untersten Ende bilden. Nach dem Befestigen noch entstauben, und die Gitarre ist Ready für den ersten Füllergang.
Lackieren des Korpus der E-Gitarre
Wir lackieren mit einem Lacksystem von Adler Lacke. Generell eignen sich alle Lacke für Schreiner auch super für den Gitarrenbau. Am besten informiert man sich selbst beim Lackhersteller, um das passende System für seine Anwendung zu finden. Wir haben einen PUR-Lack, also einen Polyurethanlack. Alternativ dazu werden Gitarren auch noch mit Nitrolack beschichtet. Dieser wird aber nur verwendet, wenn man den Vintageeffekt nach ein paar Jahren haben will oder durch künstliches Altern des Lackes erzeugen will. Lacke am besten immer im System verwenden. Also den Füller und Klarlack vom selben Hersteller benutzen.
Lackiert wird immer mit Luftzug. Also entweder in einer professionellen Lackierkabine oder im Freien. Wir heizen die Kabine auf 22 °C vor und mischen währenddessen den 2K-Lack mit einer Waage genauestens an. Nach dem Anmischen der Komponenten füllen wir den Lack in einen Einweg-Lackbecher um. Hier ist auch ein feines Sieb eingebaut, um Schmutzpartikel aus dem Lack zu halten. Mit einer guten Atemschutzmaske und entstaubter Kleidung lackieren wir mit ca. 2 bar und einer HVLP-Pistole mit 1,8 mm Düse die erste Füllerschicht. Um nicht gleich die eigene Gitarre zu versauen, ist es sinnvoll, ein Teststück immer als erstes zu lackieren, um die Pistolenführung zu üben. Passt das Ergebnis, kann man zur echten Gitarre wechseln.
Nach jedem Lackiertag muss die Pistole gründlich mit Waschbenzin gereinigt werden, damit das Werkzeug frei von alten Lackresten ist, die zu Verstopfungen führen können.
Am nächsten Tag ist im Normalfall die erste Füllerschicht so weit ausgehärtet, dass sie geschliffen werden kann. Dabei wird man feststellen, dass fast der ganze Lack ins Holz eingezogen ist. Da Holz in gewisser Weise wie ein Schwamm funktioniert, kann es unheimlich viel Flüssigkeit aufnehmen. Erst wenn die Poren des Holzes gesättigt sind, bildet sich eine Lackschicht auf dem Holz. Wichtig ist deshalb, dass als erstes diese geschlossene Schicht erzeugt wird, bevor man den Lack großflächig schleift.
Um diesen Prozess zu beschleunigen, kann man vor dem Füllern speziellen Porenfüller auftragen, der die Poren des Holzes schließt. Dadurch spart man sich einige Füllerschichten. Bei einer Klarlacklackierung, bei der man das Holz noch sieht, kann man alternativ auch Epoxidharz als Porenfüller benutzen. Für eine reine Klarlacklackierung wird logischerweise auch ein klarer Füller verwendet. Bei einer farbigen Lackierung kommt sonst meist ein weißer oder grauer Füller zum Einsatz.
Die erste Füllerschicht wird nur mit einem 400er Schleifpad leicht angeraut. Somit werden aufstehende Fasern gebrochen und die Oberfläche ist bereit für den nächsten Füllergang.
Nach drei bis fünf Füllergängen sollten die Poren geschlossen sein, und sich eine gewisse Lackdicke aufgebaut hat. Da man pro Tag nach dem Ablüften einer Lackschicht auch nochmal lackieren kann, ist das Füllern in drei bis vier Tagen erledigt.
Der Druckluftexzenterschleifer hat einen Tellerdurchmesser von 75 mm
Danach wird der Füller das erste Mal plan geschliffen. Wir beginnen bei allen schwierigen Kanten mit einem harten Schleifklotz Körnung 600. Alle größeren Flächen lassen sich am einfachsten mit einem kleinen Druckluftexzenterschleifer bearbeiten. Wer mit einem Exzenter arbeitet, merkt schnell, dass das Schliffbild wesentlich feiner ist als bei einem Handschliff mit gleicher Körnung. Der Maschinenschliff ist tatsächlich fast doppelt so fein wie der Handschliff. Beim ersten Planschleifen verzichten wir auf einen Nassschliff, da man so schneller die matten Stellen sieht, bei denen der Lack schon plan ist. Nach dem Planschliff paden wir die Flächen noch mit einer 800er Körnung ab, d.h. wir verwenden zum Schleifen ein Schleifpad. Sollten größere Läufer im Füller sein, macht es Sinn, den Lack eine Woche komplett aushärten zu lassen und dann mit 400er Körnung die Läufer vorsichtig zu entfernen. Sollte man durch die deckende Schicht durchschleifen, muss wieder so lange gefüllert werden, bis wieder ein geschlossenes Lackbild entsteht.
Wer seine Gitarre farbig lackieren will, trägt als nächstes den Basislack auf. Meistens handelt es sich um Unilacke oder Metalliclacke. Seine Wunschfarbe kann man sich bei vielen Lackläden anmischen lassen. Um die Lackierpistole und den Geldbeutel zu schonen, lackieren wir den Basislack mit der Spraydose. Bei Metalliclacken ist außerdem auf die richtige Lackiertechnik zu achten. Hier werden ein bis zwei deckende Schichten lackiert. Anschließend wird mit einem Nebelgang der Metalliceffekt verstärkt. Ein Nebelgang ist eine Lackiertechnik, bei der man mit der Lackierpistole weiter weg geht, um einen anderen Effekt zu erzeugen.
Innerhalb der nächsten 24 Stunden muss auch die erste Schicht Klarlack mit einer 1,4er Düse aufgesprüht werden. Denn der Basislack kann normalerweise nicht angeschliffen werden, da er die Haftung für die nächste Lackschicht gibt. Er wird sozusagen noch im leicht feuchten Zustand überlackiert. Dadurch verbinden sich Basislack und Klarlack. Falls kein Basislack aufgetragen werden soll, kann man auch direkt nach dem Füllern den Klarlack aufsprühen. Auch hier können unter Berücksichtigung des Ablüftens mehrere Schichten pro Tag lackiert werden.
Am nächsten Tag kann dann der Klarlack abgepadet werden. Wir verwenden hier Körnung 1000. Ab jetzt soll eine dicke, aber gleichmäßige Schicht Klarlack entstehen. Nach ca. sechs dünnen Klarlackschichten ist im Normalfall genügend Lack auf der Gitarre, um mit dem Polieren zu beginnen.
Polieren nach dem Lackieren
Nachdem der Lack eine ganze Woche ausgehärtet ist, schleifen wir zuerst den Klarlack wieder plan. Wir beginnen mit einer 1500er Körnung bei den Stellen, die mit der Hand geschliffen werden. Jetzt schleifen wir nass, um Schleifriefen zu vermeiden. Danach arbeiten wir uns mit Schleifpads mit der Körnung 2000 und 3000 nach oben. Die letzte Körnung wird auf jeden Fall nass geschliffen, was Staubkratzer verringert. Denn alle gröberen Schleifkratzer werden beim Polieren wieder sichtbar. Und das soll ja vermieden werden.
Jetzt von Tape und Folie von allen abgeklebten Flächen entfernt werden. Hier muss vorsichtig gearbeitet werden, denn Lackplatzer könnten den Sichtlack beschädigen. Eventuelle Lacknasen können mit grobem Schleifpapier weggeschliffen werden.
Größere Gitarrenhersteller polieren ihre Gitarren mit Polierböcken und passenden Polierpasten. Für Einzelanfertigungen ist das nicht zu empfehlen, da man als Ungeübter sehr schnell durch den Lack durchpolieren kann. Dann wäre die ganze Arbeit umsonst! Mehr Kontrolle hat man mit Poliermaschinen aus der Automobilbranche. Mit kleinen Polierschwämmen oder speziellen Aufsätzen für den Akkuschrauber ist auch das Polieren in engen Ecken möglich. Wir starten mit einem Lammfell und gelber Polierpaste von 3M. Anfangs verwenden wir eine geringe Drehzahl und verteilen die Politur großflächig. Danach steigern wir die Drehzahl und arbeiten die Politur klar, d.h. wir polieren so lange, bis sie durchsichtig wird. Wichtig ist, dass der Lack nicht zu warm wird. Um das Problem zu vermeiden, sollte nicht punktuell poliert werden. Sind alle Flächen glänzend, und keine Kratzer mehr zu sehen, wechseln wir auf die blaue Politur von 3M. Mit dieser werden die durchs Polieren entstandenen Hologramme entfernt. Hier benutzen wir einen passenden weichen Polierschwamm.
Für die Kontrolle der polierten Flächen gibt es spezielle Kontrollsprays, mit denen die Wachse der Polituren entfernt werden. Diese verdecken meistens kleine Mikrokratzer. Sind keine matten Stellen oder Kratzer mehr zu sehen, hat man sein Ziel erreicht!
Jetzt ist die eigene E-Gitarre lackiert und man kann zum nächsten Schritt übergehen.
Letzte Änderung: 02.11.2026

