Wenn wir eine E-Gitarre zusammen mit unserem Kunden konfigurieren, gehen wir schrittweise vor. Wir beginnen bei den Grundkonfigurationen und arbeiten uns dann Schritt für Schritt zu den genauen Details vor, die für den Kunden oft die größten Highlights der späteren Gitarre sind.
Grundkonfiguration der Custom E-Gitarre
Die wichtigste Entscheidung ist, ob die E-Gitarre für einen Links- oder Rechtshänder gebaut wird. Das Thema ist aber zum Glück immer gleich geklärt. Schwieriger wird es dann schon beim Klangspektrum. Das hat größere Auswirkungen auf das Design der E-Gitarre. Soll das Instrument eher für eine Begleitung bei Pop-Musik gebaut werden, eher für Rock ‘n‘ Roll oder doch Heavy Metal? Bei einer Heavy-Metal-Gitarre hat das Griffbrett in der Regel 24 Bünde, um auch hohe Solos zu unterstützen. Aber eins nach dem anderen.
Die Frage nach dem Klangspektrum betrifft die Mensur. Über die Jahre haben sich zwei Maße herauskristallisiert. Fender nutzt eine 648 mm lange Mensur, Gibson eine 628 mm lange. Die Custom E-Gitarre kann aber auch eine eigene Mensurlänge haben. Die Mensur ist die Länge zwischen Steg und Sattel, in der die Saite frei Schwingen kann.
Neben der Mensur ist auch der Griffbrettradius bedeutend. Ein größerer Radius führt zu einer weniger starken Krümmung und ist hervorragend für Spieler, die viele Solos und Bendings spielen. Gitarren mit stärker gewölbtem Griffbrett spielen sich dafür angenehmer bei Akkorden. Ein typisch stark gewölbtes Griffbrett hat einen 9-Zoll-Radius und ein weniger stark gewölbtes Griffbrett einen 12-Zoll-Radius.
Die Anzahl der Bünde wird auch während der Grundkonfiguration entschieden. Für einen Gitarristen, der eher Heavy-Metal oder Rock spielt, empfehlen wir 24 Bünde. Dadurch sind noch mehr höhere Solos möglich. Sollen eher Akkorde gespielt werden, können auch 20-22 Bünde verwendet reichen.
Neben der Bundanzahl spielt auch die Bundbreite und Dicke eine Rolle. Vintage Bünde sind eher schmal und bei älteren Gitarren verbaut. Medium Bünde sind eine solide Wahl für die meisten Musiker, da man mit Ihnen sowohl Akkorde also auch Solis spielen kann. Jumbo Bünde sind wie der Name verrät die Breitesten. Sie werden bei Gitarren für Rock, Hardrock und Metal eingebaut, da man mit ihnen Bendings und Vibrato sehr angenehm spielen kann.
Auch die Saitenlage der Gitarre sollte auf die zu spielende Musikrichtung angepasst werden. Wer viele Akkorde spielt und die Saite fest anschlägt, der braucht eine höhere Saitenlage. Spieler, die hauptsächlich Solis spielen haben eher eine niedrige Saitenlage. Da die meisten Stege verstellbar sind, kann die Saitenhöhe auch nach dem Bau noch justiert werden, um ein perfektes Ergebnis zu bekommen.
Die Dicke des Korpus ist auch noch ein wichtiges Maß. Standard sind hier 45 mm. Das ist meist ein optimaler Kompromiss aus Handhabung und Gewicht. Will man eine dickere E-Gitarre, wird sie deutlich schwerer und das kann bei langen Bühnenauftritten anstrengend werden. Wir würden deshalb nicht über 55 mm gehen. Nach unten hin ist man durch Elektronikkomponenten auch begrenzt und 35 mm sind hier das absolute Minimum.
Da jeder Mensch unterschiedlich große Hände hat, ist noch die Breite des Griffbretts, der Abstand der Bünde zueinander und der Abstand der äußersten Bünde zum Rand des Griffbretts wichtig. Für kleine Hände und filigrane Finger empfiehlt es sich, dass Griffbrett schmaler zu halten. Bei großen Händen sollte das Griffbrett logischerweise breiter sein, damit der Gitarrist alle Saiten angenehm greifen kann. Auch die Breite des Halses sollte dementsprechend angepasst werden.
Um den Hals auf dem Korpus zu befestigen, gibt es zwei Möglichkeiten. Verschrauben oder verleimen. Bei der Stabilität gibt es hier wenig Unterschied. Es kommt eher auf die Optik und die Wartung der E-Gitarre an. Will man eine saubere Oberfläche und keine sichtbaren Schrauben, dann empfehlen wir das Verleimen. Sollte der Hals einmal stark beschädigt werden, ist es natürlich leichter ihn zu ersetzen, wenn er verschraubt ist.
Bei einer klassischen Les Paul E-Gitarre steht der Hals noch in einem Winkel zum Korpus. Das ist für eine Custom E-Gitarre auch möglich, ist aber nur für Les Paul Style E-Gitarren üblich.
Form der Custom E-Gitarre
Nachdem die Grundkonfiguration abgeschlossen wurde, können wir bei der Form mehr ins Detail gehen. Klassische Formen sind z.B. die Les Paul, die Telecaster oder Stratocaster. Der Korpus kann in fast jeder erdenklichen Form hergestellt werden. Es gibt natürlich Beschränkungen durch das Werkzeug, z.B. in Bezug auf scharfe Innenecken, aber prinzipiell ist alles möglich.
An dieser Schablone haben wir die Positionen der Potis und Schalter für unsere Prototyp E-Gitarre festgelegt.
Welche Taschen bzw. Aussparungen soll der Korpus noch haben? Was wir standardmäßig verbauen, ist eine „Bierbauchfräsung“ auf der Rückseite. Sie macht die Handhabung angenehmer. Auch eine Abschrägung als Armablage auf der Vorderseite empfehlen wir unseren Kunden bei Stratocaster ähnlichen Gitarren.
Für das optimale Spielgefühl dürfen die Potis und Schalter nicht im Weg sein. Deren Positionen sind frei wählbar und das Elektronikfach wird daran angepasst. Wir bieten es Kunden auch an, mit einer Schablone die Positionen auszuprobieren und die Positionen zu wählen, mit denen er sich am wohlsten fühlt.
Fließender Halsübergang zwischen Korpus und Hals.
Der Hals-Korpus Übergang auf der Rückseite der E-Gitarre kann entweder fließend, oder eher einfach, wie bei einer Telecaster E-Gitarre, sein. Wir finden einen fließenden Übergang schöner, aber das muss jeder selbst entscheiden.
Für das Profil des Halses gibt es mehrere Möglichkeiten. Ein C- oder D-Profil, etc. oder eine Sonderanfertigung. Die meisten neuen E-Gitarren haben ein C-Profil, da es am vielseitigsten ist. Für E-Gitarristen, die eher modernere Musik spielen bietet sich ein modernes C-Profil an. Sonderformen wie das V-Profil findet man nur noch bei Vintage E-Gitarren, da die meisten Gitarristen die spitze Form als unangenehm empfinden.
Auch die Kopfform kann nach Belieben ausgewählt werden. Wir haben hier unsere eigene Form, mit dem Aluminium-A in der Mitte. Es kann aber auch eine Fender- bzw. Gibson-Style-Form gewählt werden.
Ein persönliches Highlight jeder E-Gitarre sind die Inlays im Griffbrett. Von einfachen Mustern bis hin zu ausgefallenen Formen ist ziemlich viel möglich. Soll das Inlay gefräst und eingeklebt werden, ist eine Mindestgröße von 0,2 mm erforderlich. Kleinere Inlays sind selbst mit Spezialfräsern nicht mehr möglich. Auch auf dem Kopf oder Korpus können, wie bei unserer Prototyp E-Gitarre, Inlays angebracht werden.
Für ein optisches Highlight bieten wir allen E-Gitarren an, den Sattel in das Griffbrett einzulassen, sodass er vollständig umschlossen ist. Das ermöglicht einen fließenden Übergang zwischen Griffbrett und Kopf und gefällt uns sehr. Aber natürlich sind auch andere Sattelhalterungen, wie bei Fender oder Gibson, möglich. Sollte ein Floyd-Rose-System verbaut werden, ist hier nur der spezielle Floyd-Rose-Sattel möglich. Den haben wir z.B. in dieser Kundengitarre verbaut.
Materialien der Custom E-Gitarre
Das Holz
Die wichtigste Frage vorweg: Hat das Holz einen Einfluss auf den Klang der E-Gitarre? Nein, hat es nicht. Die Effekte der jeweiligen Holzarten auf den Ton sind vernachlässigbar. Bei der Holzauswahl kommt es vor allem auf Aussehen und Stabilität an. Wer tiefer in das Thema einsteigen will, kann gerne das Buch „Physik der Elektrogitarre“ von Manfred Zollner lesen. Er ist Professor an der OTH-Regensburg und untersucht seit 20 Jahren die E-Gitarre in Bezug auf das Klangverhalten.
Verschiedene Holzarten für die E-Gitarre
Für den Korpus eignen sich viele Holzarten. Hier kommt es vor allem auf die Optik an. Wenn die Holzmaßerung sichtbar sein soll, empfiehlt sich Mahagoni, Black Limba oder das, was dir am besten gefällt. Ist auf dem Korpus noch ein Top drauf, gibt es hier viele verschiedene Hölzer die sich eignen, z.B. Riegelahorn, Vogelaugenahorn, Pappel, Nuss, etc. Wird der Korpus lackiert und das Holz ist im Nachhinein nicht sichtbar, braucht man kein teures Tropenholz. In diesem Fall ist Erle eine gute Wahl, da es leicht zum Verarbeiten ist.
Für den Hals empfehlen wir Ahorn, da es stabil ist. Es gibt aber noch Erle oder Mahagoni, wobei letzteres Sinn macht, wenn der Korpus auch schon aus Mahagoni ist, so wie bei einer Les Paul Style E-Gitarre.
Das Holz des Griffbretts, des Kopfaufleimers (wenn vorhanden) und das Material der Inlays betrachtet man am besten zusammen. Das Griffbrett wird meist dunkel gewählt, z.B. Palisander oder Ziricote, um sich vom Hals und evtl. Perlmuttinlays abzuheben. Sind die Inlays allerdings aus Holz oder gar Metall, könnte hier ein helles Holz für das Griffbrett sinnvoll sein. Die Kopfplatte sollte von der Optik dazu passen. Das Korpusholz eignet sich hier gut.
Als Sattel empfehlen wir einen aus Knochen. Im Vergleich zu Plastik nutzen sie sich nicht so stark ab und halten mehr aus. Neben Plastik und Knochen gibt es auch noch Sättel aus Messing. Durch die goldene Farbe passen sie eher zu einer goldenen Hardware, müssen aber verschraubt werden. Dadurch ist ein Griffbrett-Kopf-Übergang nicht mehr möglich. Außerdem macht das Metall das Bearbeiten schwierig.
Neben dem Sattel sind auf dem Griffbrett der E-Gitarre auch noch die Bünde eingepresst. Hier gibt es zwei Materialien: Edelstahl und Neusilber. Edelstahlbünde sind viel robuster als Neusilberbünde. Sie nutzen sich kaum ab und müssen nicht ausgetauscht werden. Nachteilig ist, dass die Bearbeitung das Werkzeug stärker beansprucht und die Bearbeitung länger dauert.
Elektronik in der E-Gitarre
Die Tonabnehmer sind das Herzstück der Gitarre und sollten deshalb sorgfältig ausgesucht werden. Die Tonabnehmerkombinationen und Hersteller kannst du selbst wählen. Hier gibt es teure Marken oder günstige Marken. Alternativ wickeln wir sie auch selbst.
Du kannst sowohl aktive als auch passive Elektronik verbauen lassen. Der einzige Nachteil bei der aktiven Elektronik ist, dass hier eine Batterie in der E-Gitarre verbaut sein muss und auf den Ladezustand geachtet werden muss.
Bei der Klinkenbuchse gibt es neben „Mono“, also ein Kanal, auch „Stereo“, also zwei Kanäle. Hier ist es wichtig, dass dein Verstärker auch Stereo unterstützt. Mit Stereo bekommt jeder Tonabnehmer einen eigenen Tonkanal.
Von den Potentiometern für den Klang und die Lautstärke kannst du dir beliebig viele aussuchen. Entsprechend deiner Tonabnehmerkonfiguration bieten wir auch einen 3-Wege oder 5-Wege Dreh- oder Kippschalter an. 3-Wege verwendet man bei einer Humbucker-Humbucker Kombination, während ein 5-Wege Schalter für eine SSH (Single Coil, Single Coil, Humbucker) Kombination verwendet wird. Bei der Positionsauswahl helfen wir dir auch mit einer Schablone, was für dich am angenehmsten zum Spielen ist.
Hardware der E-Gitarre
Die Hardware der E-Gitarre kommt auch in mehreren Farben: Schwarz, Gold, Chrome, Nickel oder in Holzoptik. Hier sollte die Farbe am besten auch zur restlichen E-Gitarre passen. Natürlich kann die gesamte E-Gitarre auch in einer Vintage Optik sein.
Für das Stegsystem gibt es im Großen und Ganzen vier Variationen: einfach, zweiteilig, Tremolo oder Floyd-Rose. Einfache Stege haben keine Teilung und sind aus einem Block gefertigt. Die zweiteilige Variante wird hauptsächlich bei einer Les-Paul-Style E-Gitarre verbaut. Für eine solche zweiteilige Variante gibt es auch kein Tremolo oder Floyd-Rose System. Bei beiden ist zusätzlich eine Tasche mit Abdeckung auf der Rückseite der E-Gitarre von Nöten. Was beim Floyd-Rose noch zu beachten ist, ist dass es hier einen speziellen Sattel aus Metall gibt, der dazugehört.
Hier sieht man z.B. goldene Potiabdeckungen
Beim Design der Abdeckungen, der Potentiometer, der Klinkenbuchse, oder der Schalter gibt es auch viele Möglichkeiten. Hier ein paar Beispiele:
Auch die Gurthalter dürfen natürlich nicht fehlen. Neben dem klassischen Gurthalter gibt es auch noch spezielle Security-Locks (S-Locks). Durch den Einrastmechanismus leiert die Gurtbefestigung nicht aus und die E-Gitarre bleibt sicher.
Die Stimmmechaniken gibt es nicht nur in der normalen Variante, sondern als Locking-Tuner. Hier wird die Saite durchgefädelt und dann mit einer Schraube fixiert. Anschließend wird noch ca. eine Umdrehung angeschlagen und die Saite ist gestimmt. Die Saite ist viel Stimmstabiler im Gegensatz zu normalen Mechaniken und das Aufwickeln ist nicht so mühselig.
Oberfläche der E-Gitarre
Bei der Oberfläche unterscheidet man prinzipiell zwischen zwei Arten. Ölen und Lackieren. Für den Hals empfehlen wir immer das Ölen. Es bietet einen besseren Griff und eine bessere Spielbarkeit, besonders bei schweißigen Händen.
Lackieren ist deutlich beständiger als Ölen. Eine geölte Oberfläche kann schon mal durch besonders lange Fingernägel beim Spielen angekratzt werden, was man natürlich nicht will. Deshalb empfehlen wir für den Korpus das Lackieren. Hier kann aber auch gerne geölt werden, was deutlich kostengünstiger ist. Das liegt vor allem am Zeitaufwand vom Lackieren. Wenn man den Korpus lackieren will, gibt es auch die Möglichkeit am Hals eine Art Übergang zwischen der geölten und der lackierten Stelle zu erstellen. Das haben wir z.B. bei dieser Kundengitarre gemacht.
Um eine wirklich saubere Hochglanzlackierung herstellen zu können braucht es viele Lackschichten und etliche Stunden, um den Lack zu schleifen und anschließend zu polieren.
Beim Lack gibt es dann viele Varianten, für die man sich entscheiden kann. So kann der Lack durchscheinend oder deckend sein, er kann glänzend, seidenmatt oder komplett Matt sein, je nachdem wie man seine E-Gitarre will. Bei den Lackfarben gibt es eine unendlich große Auswahl an Unifarbtönen und Metallicfarben. Die meisten modernen E-Gitarren sind mit Polyurethanlacken beschichtet. Als Lacksystem kann man sich zwischen Polyurethanlacken und Nitrolacken entscheiden. Sie sind weniger gesundheitsschädlich und zugleich robuster als Nitrolacke. Diese wiederum sind vor allem bei alten Vintage Gitarren aufgebracht worden.
Will man aber die schöne Holzmaßerung des Korpus sehen, so können wir ihn natürlich auch mit Klarlack behandeln, so wie bei diesem E-Bass. Der Klarlack bietet auch die Möglichkeit, die E-Gitarre zu beizen. Beize kann man sich so wie Wasserfarben für Holz vorstellen. Dadurch sind auch schwierige Übergänge und Farbverläufe möglich. Zum Beispiel haben wir bei dieser Les-Paul-Style E-Gitarre die Oberfläche gebeizt und den Sunburst-Look verpasst und anschließend mit Klarlack versiegelt.
Hier ist der Sunburst mit Beize aufgetragen und die E-Gitarre anschließend mit Klarlack lackiert.
Bei diesem E-Bass kommt die Maßerung sehr stark hervor.
letzte Änderung: 27.10.2026

